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Dennis Hopper war ein wahrer Gentleman - Der etwas andere Nachruf

Als ich die Nachricht von Sonia, meiner Kollegin in Los Angeles, las, war ich nicht nur baff. Zwischen Thorstens freudigen Lena ist nicht nur Star in Deutschland, sondern auch in Oslo-Meldungen haute mich die traurige Nachricht zum Tod von Dennis Hopper nahezu vom Hocker.

Natürlich habe ich auf Bildern gesehen, dass der ehemals fitte und cool wirkende 74-Jährige aufgrund seiner im Oktober 2009 bekanntgegebenen Prostatakrebs-Erkrankung stark abnahm und im Gesicht sehr alterte. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass er noch einige Jahre ein lebenswertes Leben genießen kann. Schließlich war der Schauspieler und Regisseur nicht nur ein cooler Typ, sondern auch ein wahrer Gentleman. Und das weiß ich tatsächlich aus eigener Erfahrung.

Als ich vor rund zehn Jahren einmal von Deutschland nach Kalifornien flog, war der damals auch als Maler aktive Dennis Hopper mit im Flieger. Wäre ich nicht zu spät gekommen, wäre an meinem schweren Handgepäck nicht ein Rad weggebrochen und hätte ich nicht auch ein wenig Flugangst, hätte ich diese Tatsache niemals mitbekommen.

Durch den Gang zum Schalter mein Rollköfferchen hastig hinterher schleifend, fragte mich der durch den Kultfilm Easy Rider bekannt gewordene Amerikaner, ob er mir helfen könne. Nach einem krächzenden wie dankbaren „Ja, danke“, drückte mir der ebenfalls verspätete Dennis Hopper, der in Hollywood als stur, eigenwillig und exzentrisch gegolten hatte, lächelnd seine äußerst leichte Tasche in die Hand und griff schwungvoll nach meinem wirklich “steinschweren” Handgepäck. Rege schnatternd eilten wir zu unseren Schaltern.

Der damals bereits fünfmal verheiratete Hollywood-Star begleitete mich auch durchs Gate und trug meinen Koffer bis an Bord. In diesem Moment war der Vater von zuletzt vier Kindern mein Held, der in der Ersten Klasse verschwand, während ich in der Zweiten Klasse einen starken Mann suchte, der mir “hopperesque” meinen Koffer in die Ablage hievte.

Dennis-Hopper-mit-seinem-Stern.jpg

Nach fünf Stunden turbulentem Flug war ich so durch den Wind, dass ich ziemlich unruhig wurde. Im Jahr vor 9/11 durften ängstliche Passagiere zur Beruhigung noch das Cockpit besichtigen und mit den Piloten sprechen. Eine Stewardess begleitete mich durch die Erste Klasse dorthin, wo ich auf dem Rückweg wieder auf Dennis Hopper traf. Er fragte mich, ob ich Flugangst hätte (”Äh, nein. Also irgendwie ja.”)  und wir setzten unser Gespräch fort. Die Stewardess zeigte Verständnis und ließ mich junge Göre ganze zwei Stunden mit dem international bekannten Schauspieler quatschen. Ich erfuhr von seinen Bildern, seinen wenigen schauspielerischen Aufgaben, seinen berufsbedingten Reisen und seinem Leben in Kalifornien. Er interessierte sich für meine Berufswünsche, meine kreativen Interessen sowie meine bisherigen Reisen und empfahl mir Reiseziele in Kalifornien. Es war lustig und interessant zugleich - und keinesfalls war “Mr. Easy Rider” der schwierige Star, den man in den Medien beschrieb. Er war schlichtweg ein cooler und lebenserfahrener Typ, mit dem man sich unterhalten konnte.

Noch heute erzähle ich die Geschichte gern, denn ich kann sagen: Mr. Hopper war ein wahrer Gentleman.

Autorin: Bente Matthes

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3 Kommentare

  1. Dennis Hopper war ein Gentleman. / Dennis Hopper was a gentleman. « My Life in Pictures and Words sagte am 30. Mai 2010 um 10:58

    [...] Mai 30, 2010 Tags: dennis hopper, hollywood, hopper, tot, verstorben by missmatthes Mein Artikel: Als ich Dennis Hopper [...]

  2. Thorsten sagte am 30. Mai 2010 um 11:09

    Tolle Story, schade, dass er so früh von der Weltbühne abtreten musste.

  3. Brigitte Konietzka sagte am 30. Mai 2010 um 21:46

    Hallo Benti, ein toller Bericht,
    gefällt mir sehr.
    Solch eine Gelegenheit hat man selten.